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Was ist ein Talent?

 Die Nachwuchsförderung gehört wohl zu den wichtigen Aufgaben der Verbände, denn nur sie sind in der Lage objektiv und valide auszuwählen, zu sichten und zu scouten. Selektionsentscheidungen bzw. eine Talent-Diagnostik im Nachwuchs werden im Fußball grundsätzlich auf Grund eines Gesamtresümees aus Trainings- und Wettkampfeindrücken getroffen.
Diese Artikelserie stellt einen Versuch dar, die individuelle Spielleistung von jugendlichen Fußballern genauer zu ermitteln und auf einer objektiven Ebene abzusichern.  So ist es für die Fußballer im Jugendbereich, welche sich in den Auswahlmannschaften der verschiedenen Landesverbände und Akademien befinden, üblich, dass sie von den jeweiligen nach diversen Sichtungen in die Kader berufen werden.
Nachdem die leistungsbestimmenden Parameter genauer aufgeschlüsselt werden beschäftigt sich das vorliegende Konzept spezieller mit der fußballspezifischen körperlichen Leistungsfähigkeit. Es sollen allgemeine motorische Fähigkeiten wie Kondition und Koordination, sowie elementare spezielle Fähigkeiten, wie z.B. Dribbling unter Zeitdruck durch sportmotorische Tests überprüft werden.
Bevor man sich mit der Talentdiagnostik genauer befasst, muss man den Begriff des Talents näher erläutern und definieren. Da dies allerdings schon aufgrund der beträchtlichen Anzahl von Definitionen und Definitionsversuchen ein Problem darstellt, wird sich hier zunächst darauf beschränkt, nur Merkmalsbereiche und Voraussetzungen anzugeben, von denen vermutet wird, dass sie Einfluss auf das sportliche Talent haben.

  • Anthropometrische Voraussetzungen wie Körpergröße, Körpergewicht, Verhältnis von Muskel- und Fettgewebe, Körperschwerpunkt, Harmonie der Proportionen u.a.
  • physische Merkmale wie aerobe und anaerobe Ausdauer, Reaktions- und Aktions-Schnelligkeit, Schnelligkeitsausdauer, statische und dynamische Kraft, Kraftausdauer, Gelenkigkeit und Feinstkoordination von Bewegungen u. a..
  • technomotorische Bedingungen wie Gleichgewichtsfähigkeit, Raum-, Distanz- und Tempogefühl, Ball-, rhythmische Fähigkeiten, Gleitvermögen u. a.;
  • Lernfähigkeit wie Auffassungsgabe, Beobachtungs- und Analysevermögen, Lerntempo;
  • Leistungsbereitschaft wie Trainingsfleiß, körperliche Anstrengungsbereitschaft, Beharrlichkeit, Frustrationstoleranz;
  • Kognitive Steuerung wie Konzentration, motorische Intelligenz, Kreativität, taktisches Vermögen;
  • Affektive Faktoren wie psychische Stabilität, Stressbewältigung, Wettkampfbereitschaft u. a.;
  • Soziale Bedingungen wie Rollenübernahme, Mannschaftseinordnung u. a.
     

So könnte man Talent als eine Gruppe unterschiedlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten aus unterschiedlichen Bereichen umschreiben, die der Athlet in höherem oder geringerem Maße besitzt .

  • Dispositionen oder Veranlagungen, die das Können eines Sportlers zeigen.
  • Zum anderen die Bereitschaft oder die Motivation, Leistung erbringen zu wollen.
  • Des weiteren das soziale Umfeld, welches von außen auf den Sportler einwirkt.
  • Und zuletzt die Resultate, die ein Sportler bei einem Wettkampf liefert.
     

"Als (sportliches) Talent kann eine Person bezeichnet werden, die über (vorwiegend genetisch bedingte) Dispositionen zum Erreichen von hohen sportlichen Leistungen verfügt, die Bereitschaft mitbringt, solche Leistungen auch zu vollbringen, die Möglichkeiten dafür in der sozialen Umwelt vorfindet und letztlich mit den erzielten Leistungsresultaten den Eignungsnachweis dokumentiert."

Talententwicklung ist daher ein aktiver, pädagogisch begleiteter Veränderungsprozess, der intentional durch Training gesteuert wird und das Fundament für ein später zu erreichendes hohes (sportliches) Leistungsniveau bildet.
Dieses Bemerkungen machen besonders deutlich, dass der Begriff des Talents immer etwas mit einem Prozess bzw. mit einer Entwicklung zu tun hat. Man kann ein Talent nicht durch eine einmalige Beobachtung (Sichtung) bestimmen, sondern muss die jeweilige Person über einen längeren Zeitraum begleiten (Scouting), muss sie unterstützen und mittels des Trainings den Veränderungsprozess genau steuern.
Zur genaueren Analyse müssten die Spieler über einen langen Zeitraum, also mittels einer Längsschnittuntersuchung, immer wieder auf ihren Leistungsstand hin überprüft werden.

Zur Bedeutung des Alters für die Talenterkennung

Das kalendarische Alter ist das, was man normalerweise unter dem Begriff Alter versteht, es handelt sich um die Lebensspanne. Das biologische Alter hingegen, vergleicht den körperlichen Reifezustand mit statistischen Normen unter Einbezug des kalendarischen Alters. Und das Trainingsalter gibt Aufschluss über den Zeitraum, seitdem eine Sportart betrieben wird.
Setzt man das kalendarische Alter ins Verhältnis zum biologischen- und zum Trainingsalter, können viel genauere Leistungsprognosen erstellt werden, da gerade bei Fußballern in der Phase der Pubeszenz eine sehr große Spanne zwischen dem kalendarischen und dem biologischen Alter bestehen kann und diese Tatsache, wie die des Trainingsaltersunterschiedes, natürlich auch die Leistungsresultate beeinflusst.
?Weder am Leistungsresultat noch an den Leistungsvoraussetzungen allein ist ein Talent früh erkennbar. Erkennbar ist es am Verhältnis des Leistungsresultats zu den Leistungsvoraussetzungen und deren Beziehung zum kalendarischen, biologischen und Trainingsalter. Das Verhalten dieser Parameter zueinander bestimmen den Grad an Eignung eines Sportlers" 

So ist z.B. ein Spieler A der erst seit zwei Jahren Fußball spielt und die gleichen Leistungen erbringt, wie sein biologisch und kalendarisch gleichwertige Mitspieler B, welche schon seit fünf Jahren Fußball spielt, talentierter einzustufen, als der Spieler B

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