Erkenntnisse aus der EURO 08 und deren Ableitungen für die Ausbildung unseres Nachwuchses
Gestern war die WM 2006: So gut wie alle 32 Mannschaften legten ihr Augenmerk auf eine defensive Grundordnung und arbeiteten mit zum Teil stoischer Akribie an der Perfektionierung ihres kalkulierenden Ergebnisfußballs. Verteidigen ist einfacher, rollt doch das Spiel auf die Abwehrspezialisten zu. Angreifen, das Spiel machen, eine kompakt stehende Abwehr aus den Angeln heben ist eine Kunst, die es zuletzt immer schwerer hatte, große Interpreten zu finden.
Wie es scheint, könnte die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz einen Wendepunkt markieren. Der Mut zur Improvisation gepaart mit einer gehörigen Portion Angriffslust ist in vielen Mannschaften zurückgekehrt. Auch im Vergleich zur EM 2004 in Portugal, wo ja die antiquierte griechische Defensivtaktik mit einem Libero zum Erfolg führte, war das Niveau erfreulich hoch.
Nun liegt es an uns Trainern, die Trends und Erkenntnisse von dieses tollen EURO zu diskutieren und daraus die richtigen Schlüsse für die Ausbildung zu ziehen. Daher eröffne ich die Diskussion und werde deren Ergebnisse in Folge via Powerpointunterricht allen interessierten Lesern zukommen lassen. Schreib mir daher bitte deine Eindrücke und Vorstellungen für einen notwendigen Richtungswechsel in der Nachwuchsausbildung.
Hier meine ersten Überlegungen:
Trendzu nur einem "richtigen" Angreifer und Fünfermittelfeld
Einer, der den Ball behaupten kann
Einer, der den Ball verteilen kann
Keiner, der Kilometer runterreißt
Keiner der in der Defensive rackert
Einer, der vor dem Tor nicht lange fackelt und am besten auch noch kopfballstark ist
Einer wie Ruud van Nistelrooy, Luca Toni oder Spaniens Fernando Torres eben.
Oranjes „One-touch"-Tempofußball
Frühes Pressing
Blitzartiges Umschalten von Defensive auf Offensive
Einstudierte Laufwege
Genaues Passspiel
Das Vertrauen zur Jugend
Auffallend: Im Vergleich zu den All-Time-Turnierfavoriten aus Italien, Frankreich oder Tschechien setzten Spanien, Russland, Portugall und die Niederlande nicht nur auf Routiniers. Dort geben hungrige, junge Talente den Ton an, und dies auch noch auf den neuen Schlüsselstellen des modernen Fußballs - den Außenpositionen.
Der Niedergang der Nummer 10
Denn die Evolution des Fußballs hat das Angriffsspiel in den vergangenen Jahren an die Seitenlinie verlagert - auf Kosten des klassischen Spielmachers mit der Nummer 10. Hintergrund. In der Mitte des Spielfeldes, wo früher die besten Fußballer jeder Mannschaft Regie führten, ist schlicht und ergreifend kein Platz mehr.